»Freundschaften und Familien dürfen uns nicht geraubt werden!»
Essenz
Wir trafen Essenz alias David Wöhrle zum Interview. Essenz veröffentlichte Ende Mai sein zweites Album „Haertzmusig“. Wir sprachen mit ihm über seine Musik, Jugendarbeit und gesellschaftliche Entwicklungen.
Ende Mai ist dein neues Album „Haertzmusig“ auf den Markt gekommen. Ich nehme an, der Titel bezieht sich auf dein Herz?
Der Name ist eine Spielerei mit den Wörtern Hertz, die Frequenzangabe in der Musik und dem Herz. Zum einen steckt sehr viel Hertz im jazzigen Sound dieser CD und zum Anderen kommt in den Texten vieles von meinem persönlichen Herzen zum Ausdruck.
Was sind denn die Hauptaussagen deiner Texte?
Es geht oft um Werte. Dankbarkeit, Hilfsbereitschaft, Dranbleiben auch wenn es schwierig wird. Immer wieder beschäftigt mich die Frage, was wahre Liebe ausmacht. Ich würde sagen, dass der Hörer durch das ganze Album auf eine Suche nach wirklicher Liebe, sinnvollem Leben und der Frage nach Gott, mitgenommen wird.
Woher nimmst du die Inspiration für deine Songs?
Ich schreibe seit Jahren Tagebuch und hinten in diesem Buch hat es eine Sparte „Liedideen“. Inspiriert durch Alltagssituationen kommen mir Ideen, die dann im Tagebuch erfasst werden. Eine zweite Inspirationsquelle sind meine freien „Montage“, wo ich oft in die Natur gehe, ein Feuer mache, Ruhe, Frieden und Gott suche. Da kommen mir oft Gedanken und Ideen.
Was sind die Hauptunterschiede zu deinem ersten Album?
Beim ersten Album waren alle Beats programmiert. Beim neuen Album hingegen, ist alles live und von Profis eingespielt.
Inhaltlich kam mein erstes Album bald nach meinem Theologiestudium raus und war daher voll von Theologie und der Beziehung zu Gott. Das neue Album ist da mehr aus dem Alltag heraus.
Was kannst du zum Verkaufsbeginn des Neuen Albums sagen?
Genaue Zahlen habe ich noch keine, es läuft jedoch mehr als beim ersten Album: Mehr Konzertanfragen, meine Youtube-Clips werden öfters angeschaut und es gibt sehr viele gute Feedbacks.
Was waren erste Rückmeldungen, die du zu deiner neuen CD erhalten hast?
Viele Leute waren einfach berührt. Beispielsweise der Song „1988“, wo es um die Vater-Liebe geht, berührt viele. Es gab Personen, die mir sagten, es kämen ihnen immer wieder Tränen wenn sie die CD hören. Es ist natürlich schön, wenn Musik so ins Herz dringt. Dies spornt mich an weiter zu gehen. Die jazzy-groovigen Livebeats begeistern.
Nebst der Musik bist du schon lange als Jugendarbeiter tätig. Würdest du sagen, dass sich die Themen, welche die Jugendlichen beschäftigen, in den letzten 5 bis 10 Jahren verändert haben?
Ich weiss nicht, ob sich die Themen verändert haben, was ich feststelle ist, dass sich alles beschleunigt hat. Gerade durch die neuen Medien haben die Jugendlichen viel mehr Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen.
Ein Ziel für uns bleibt jedoch dasselbe: Es geht darum, dass uns die Freundschaften und Familien nicht geraubt werden. Die wirklichen Beziehungen von Aug zu Aug müssen uns erhalten bleiben.
Auch wir beim Cevi spüren die Zunahme der Möglichkeiten, welche Jugendlichen zur Verfügung stehen. Ein anderes Thema ist die abnehmende Verbindlichkeit. Was empfiehlst du aus deinen Erfahrungen einer Jugendorganisation wie dem Cevi um wieder neue Jugendliche zu erreichen?
Was nicht funktioniert ist, wenn wir den Jugendlichen möglichst professionelle Konsumangebote bieten wollen. Da werden wir gegenüber den durchgestylten Angeboten aus der Wirtschaft das Nachsehen haben. Was wir jedoch können, ist ihnen einen Ort zu bieten, wo sie geliebt werden, wo ihnen zugehört wird und wo sie mitarbeiten können. Wenn die Jugendlichen ein Zuhause finden, dann sind sie auch vermehrt zu Verbindlichkeit bereit und setzen sich ein. Neben der Annahme, die wir ihnen geben können, sollten wir auch bald möglichst Verantwortung übertragen. Wo Jugendliche eingesetzt werden und nicht nur zum Konsumieren verdammt sind, erleben sie grosse Wertschätzung.
Was möchtest du dem Cevi abschliessend mit auf den Weg geben?
Der Cevi soll unbedingt dran bleiben, auch wenn es zurzeit schwierig ist. Die Jugendlichen brauchen Heimaten, sie brauchen Gefässe, wo sie mitarbeiten können, wo sie gefördert werden, wo sie Leiterschaft trainieren können. Angebote wie die vom Cevi sind absolut wesentlich und wichtig- nur nicht aufhören!
Vielen Dank für deine Zeit, Essenz, und weiterhin alles Gute auf deinem Weg!
Gewinnerin des Wettbewerbs:
Christina Loosli aus Wyssachen
Herzliche Gratulation!