Erfahrungsbericht YMCA Kosovo

Nicolas Chapuis,
Kosovo<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>cevi.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>3422</div><div class='bid' style='display:none;'>6295</div><div class='usr' style='display:none;'>4309</div>

Ein spannender Erfahrungsbericht von Seraina über den YMCA Kosovo.
Eine Woche im Zelt? Kein Problem! Kochen über dem Feuer? Mit Links! J+S Lager leiten? Die Kurse habe ich schon lange gemacht und auch geleitet, mit Material von früheren Kursen, von dem ich profitieren konnte.

Aber wie ist das, wenn man nicht nur eine neue Cevi-Abteilung aufbauen möchte, sondern in einem Land mit Scouting anfangen möchte, wo es dies noch überhaupt nicht gibt und man selber auch nicht seit man 8 war den Samstagnachmittag im Wald verbracht hat? In diesem Prozess befindet sich der YMCA Kosovo seit zwei Jahren. IN meinen Sommerferien konnte ich die hochmotivierten Scouts in Gjakova, eine Stadt im Nord-Westen, besuchen.

Ich erlebte Jugendliche, die extrem lernbegierig sind, die wissen wollen, wie wir in der Schweiz den Cevi organisieren und wie wir die Dinge machen. Die auch gerne von ihrem eigenen YMCA erzählen und den verschiedenen Experten – und Talentbadges, die sie schon verdient haben. Die sich nicht scheuen zu sagen, ich habe noch nie ein Sackmesser in Händen gehalten, bitte zeig mir, wie ich den Stock für meine Wurst schnitzen kann und es dann auch gleich selber machen. Ich konnte Kaffee trinken im ersten Take-Away-Shop von Gjakova. Der Geschäftsinhaber ist einer der Scout-Leaders, der während Anlässen im Ausland die Take-Away-Kultur kennen lernte und dies jetzt zu sich nach Hause importiert hatte. Ein dringend gebrauchtes Vorbild, dass man auch mit kleinem Budget sein eigenes Geschäft aufmachen kann in einem Land, in dem jeder Zweite unter 25 Jahren alt ist, die Jugendarbeitslosigkeit bei 60% liegt und viele von einem Leben in einem anderen Land träumen.

Mein Highlight war sicher der Abend als wir mit einer Gruppe von 15 Teilnehmer*innen und Leiter*innen in den nahe gelegenen Wald gingen und gemeinsam den Spatz, den der Cevi Volketswil-Schwerzenbach dem YMCA Kosovo gespendet hat, aufstellten. Wir suchten Holz, machten Feuer und brieten Würste und Schlangenbrot. Einfache Dinge, aber ich musste mich immer wieder daran erinnern, dass die meisten noch nie ein Feuer in der Natur entzündet haben, noch nie ihr Essen darüber gekocht haben. Während die Jüngeren nach Hause gingen, habe ich mit den Leitenden eine kurze Trainings-Session zu Knoten durchgeführt, lange über eigene gruppenspezifische Rituale diskutiert und dann im ersten Zelt im Besitz des YMCA Kosovo geschlafen. Ich übergab den Leitenden symbolisch Zündhölzer zusammen mit dem Liedtext von „En Funke isch scho gnueg, zum es boimigs Füür aazünde und bald isch es so gross, das es warm giit Herz und Hände“. Und dieser Funken ist am Brennen im Kosovo. Noch klein, aber immer grösser werdend. Die Scouts haben Pläne, freuen sich darauf, wenn sie sich ab September wieder einmal pro Woche zu einer Aktivität treffen, gemeinsam die Natur entdecken und so einen Grundstein für viele weitere Generationen von Scouts im Kosovo legen.


Infobox YMCA Kosovo
Der YMCA im Kosovo bietet in drei Ortschaften Freizeitprogramme für knapp 1000 Jugendliche und Kinder. Ihre Hauptprogramme neben Scouting sind ein Kindertreff, eine TenSing Gruppe, Peer-to-Peer-Leadership, YWoMan, ein 12-wöchiges Programm in dem eine geschlechtergemischte Gruppe über Menschenrechte, Gleichberechtigung und Bilder des anderen Geschlechtes diskutieren. Weiter ermöglichen sie es jedes Jahr Jugendlichen Lager, Kurse und Praktika im Ausland mit anderen YMCAs zu absolvieren.
Ein neuer Programmpunkt ist der Aufbau eines Ferienlager-Geländes, in dem der YMCA Sommerlager für Kinder aus dem In- und Ausland durchführen kann, sowie es anderen Organisationen aus dem Kosovo zur Mitbenützung zur Verfügung stellen kann. Es wäre das erste Campgelände im Kosovo.

Wenn sich jetzt eine Abteilung angesprochen fühlt eine Local-to-Local-Partnerschaft mit dem YMCA ins Auge zu fassen, soll sich doch mit Julia Petrig, Vorstandsmitglied Cevi Schweiz, in Verbindung setzen. (julia.petrig@cevi.ch)
Autor: Nicolas Chapuis     Bereitgestellt: 14.08.2017     Besuche: 36 Monat
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