Rückblick – J+S-Modul kulturelle Vielfalt

von Felix Furrer

Autor:  Maximilian Stoller v/o Sturm (Abteilung Uster)

Was braucht es, damit der Cevi offen für Menschen aus allen Kulturen ist? Diese Frage stand im Zentrum des J+S- Moduls kulturelle Vielfalt, welches im Oktober dieses Jahres stattgefunden hat.

Zum ersten Mal fand in diesem Jahr das J+S- Modul kulturelle Vielfalt im Jugendverband statt und das Thema stösst auf ungeahnt grosses Interesse. Die Teilnehmenden stammen aus verschiedenen Regionalverbänden des Cevi Schweiz, sowie der nationalen Fröschligruppe und auch aus dem pädagogischen Bereich. Mit viel Elan und einer tollen Gruppendynamik konnte der Kurs erfolgreich durchgeführt werden. Dabei fanden sowohl die theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Thema wie auch die praktischen Rollenspiele und Diskussionen grossen Anklang.

Das grosse Highlight war aber der Samstagnachmittag, an dem die Teilnehmenden, welche zum Teil schon länger nicht mehr aktiv Samstagnachmittagsprogramme geleitet haben, mit CevianerInnen aus Uster sowie eigeladenen Kinder aus Migrantenfamilien eine spannende Geschichte erleben konnten. Dabei wurden die Kursteilnehmenden «ins kalte Wasser geworfen», denn ausser dem Thema – eine Weltreise – und dem Standort – die reformierte Kirche Uster – gab es kaum Vorgaben. Durch den kollektiven und langjährigen Erfahrungsschatz der Teilnehmenden, punktueller Unterstützung durch die Kursleitenden, sowie der logistischen und personellen Unterstützung des Cevi Usters und dem grossen Engagement des Ustermer Kirchendiakons Rémy Beusch konnte bereits nach kurzer Vorbereitungszeit pünktlich mit dem Programm begonnen werden.

Mit dem Thema Weltreise war eine gemeinsame Basis für alle teilnehmenden Kinder geschaffen und die Inklusion wurde im Verlauf des Nachmittags gut sichtbar. So gab es zu Beginn noch Berührungsangst, welche jedoch bereits mit den Auffangspielen und den lustigen Rollenspielen wie weggewischt waren. Etwa ein Viertel der anwesenden Kinder stammte aus Familien mit unterschiedlichsten Migrationshintergründen, welche aber alle Klienten von Remy Beusch sind und ihm deshalb ein grosses Vertrauen entgegenbrachten. Wir wurden während dem gesamten Modul und auch danach nicht müde zu betonen, dass ein auf Vertrauen basierender Zugang zu diesen Familien die Grundlage für eine erfolgreiche Inklusion von Kindern mit anderem kulturellen Hintergrund in den Cevi ist. Erst wenn dieser Zugang besteht, kann über eine Durchführung eines solchen Programmes nachgedacht werden. Was aber noch vor einer möglichen Öffnung nach aussen nötig wird, ist die Öffnung nach innen. Eine Ceviabteilung sollte anerkennen, dass Öffnung nicht Kulturverlust bedeutet, aber durchaus ein gewisser Kulturwandel die Folge sein könnte. Diese Diskussion muss geführt werden, damit nach innen wie auch nach aussen ehrlich kommuniziert werden kann. Erst wenn keine mentalen Berührungsängste bestehen, können wir auch in der Realität einander die Hände reichen.

Nach einem erfolgreichen Programm, welches natürlich die legendären «Schoggibananen» beinhaltete, und den damit verbundenen glücklichen Gesichtern bei den Leitenden und den Kindern, wurde der Nachmittag mit einem zusammenführenden Rollenspiel beendet. Zum Schluss konnten auch die Eltern noch ihren Kindern zusehen und haben weitere Informationen zum Cevi erhalten. Jedoch war dies nicht die einzige Interaktion mit den Eltern gewesen, denn durch den ganzen Nachmittag fand im Kirchgemeindehaus Kreuz eine freiwillige Gesprächsgruppe zum Thema «Jugendgruppen in der Schweiz und in anderen Ländern» statt. Diese wurde von Kursleitenden geführt und es kam ein sehr wertvoller Austausch zu Stande, der wiederum aufzeigt, wie wichtig die Elternarbeit ist, um Verständnis und Vertrauen zu schaffen. Durch diese Massnahmen und auch aufgrund der offensichtlichen Zufriedenheit der Kinder, konnten wir mehrere Kinder dazu ermutigen weiterhin reguläre Programme im Cevi Uster zu besuchen.

Der Samstag fand dann mit einem traditionellen eritreischen Essen und dem dazugehörigen Kaffeeritual einen gemütlicher Weiterverlauf, der durch Gespräche zu den Eindrücken und Erfahrungen ergänzt wurde. Nach dem obligaten Aufräumen, bei welchem uns die Diakonie und die eritreischen Köchinnen ebenfalls tatkräftig unterstützt haben, reiste die Kursgruppe weiter nach Rapperswil, wo wir geschlafen und den Sonntag verbracht haben.

In den neuen Tag gestartet sind wir mit einem Spiel – Rantaba Malindi – um einmal nachzufühlen, wie schwer es sein kann, wenn man die Kultur um sich herum nicht versteht und wie ungern man die Sicherheiten seiner In-Group verlässt. Mit diesem emotionalen Eindruck im Gepäck ging das Programm direkt zum Theorie- und Rollenspielteil über, bei welchem sowohl die wichtigen Grundlagen und Erfahrungen in Bezug auf die Migration und den Umgang mit Migranten und Expats thematisiert als auch Diskussionen zum eigenen Verhalten in realistischen Konfliktsituationen angeregt wurde. Dieser Block diente auch zur Verdichtung der praktischen Erfahrungen des Vortages.

Nach einem stärkenden Mittagessen vom Feuer haben wir uns den praktischen Umsetzungen des Gelernten zugewandt. Dabei stand die Frage im Zentrum, wie man in der eigenen Abteilung die Öffnung nach innen und nach aussen anstossen könnte. Überlegungen wurden dabei in viele Richtungen gemacht und es war erfreulich zu sehen, dass die Diskussion aufgrund der intensiven und offenen Auseinandersetzung mit dem Thema in den letzten eineinhalb Tagen weit über Überlegungen wie «Kann ein muslimisches Kind einen Cervelat essen?» hinaus ging und auch eigene Denkmodelle in Frage gestellt wurden. So bewiesen gerade die Gedanken zum Thema «Was sind eigentlich die Werte und Normen meiner Abteilung und wie beeinflussen mich diese?», dass der Kurs bei vielen auch über das Thema der interkulturellen Öffnung hinaus wichtige Gedanken angestossen hat.

Abschliessend lässt sich als Fazit eine positive Bilanz ziehen. Dies freut uns vom Kursteam natürlich besonders, da für uns das Thema eine Herzensangelegenheit ist. Einige Stimmen von Teilnehmenden wollen wir hier noch exemplarisch verschriftlichen, um damit die Wirkungen des Kurses aus erster Hand zu zeigen.

  • «Es isch e grossartigi Erfahrig gsi, de Samstignammitag het mir Muet geh, zum mich wiiterhin mit dem Thema usenand z setze.»
  • «De iisatz vom Leitigsteam und allne Beteiligte isch spürbar gsi und het mich richtig agspornt.»
  • «Aso ich hett de Kurs ned so erwartet, er isch vill praktischer gsi als ich denkt het. Das hett mir sehr gfalle.»
  • «Am Schluss würdi mir wünsche, dassmer na biz meh Ziit hetti zum sich d Gedanke und Plän für die eignig Stufe und Abteilig z mache. Aber es hett mir würklich sehr gfalle. Sind mega tolli Lüt gsi!»


Gerade das letzte Feedback haben wir uns sehr zu Herzen genommen und werden für diesen Punkt in Zukunft noch mehr Zeit einplanen. Denn wir werden diesen Kurs wieder anbieten und freuen uns auf erneute wunderbare Erlebnisse im Herbst 2020, wenn wir uns wieder treffen, um die interkulturelle Öffnung zu (er)leben.

Ein grosses Dankeschön gilt allen Teilnehmenden, den Cevianern der Abteilung Uster, der reformierten Kirche Uster – namentlich Rémy Beusch – und dem Cevi Schweiz, welcher die interkulturelle Öffnung unterstützt. 

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